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Blog Gesellschaft, Ökonomie, Politik und Ethik

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zuletzt aktualisiert am 04.08.2022

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Inhalt:
04.08.2022: Der Klopapier-"Wahnsinn": Psychose oder banales Geschehen?



Der Klopapier-"Wahnsinn": Psychose oder banales Geschehen?
04.08.2022

Im März 2020, Auftakt zur ersten Corona-Welle, begannen viele Menschen damit, für alle Fälle ein paar Vorräte anzulegen. Politik und Medien stellten dies als unnötigen Unfug dar, da die Versorgung mit Lebensmitteln nicht gefährdet sei. Doch es gab ja ganz andere, sehr vernünftige Gründe zum "Hamstern", die m.W. weder Politik noch Medien je erwähnten: Ein Vorrat für einige Wochen ermöglicht nämlich den betreffenden Haushaltsmitgliedern zweierlei:
1. eine Quarantänezeit ggf. ohne fremde Hilfe durchstehen zu können (Freunde könnten ebenfalls gerade in Quarantäne oder anderweitig gebunden sein), und
2. durch größere Abstände zwischen den Einkäufen das Ansteckungsrisiko im Supermarkt zu minimieren.

Das einzige, das man all den "Hamsterern" vorwerfen könnte: Warum sie nicht schon immer Vorräte für ein paar Wochen eingelagert hatten.

Nun zum Klopapier: Die Medien berichteten von leeren Klopapier-Regalen in vielen Supermärkten, unterlegt von Fotos und Videos von meterlangen, komplett leergekauften Regalwänden. Wie ist das zu erklären?

Während Medien, Politiker und Psychologen die Ursache praktisch ausschließlich in psychischen Abwegen suchten ("reales Klopapier-Verlust-Trauma" [#01], "Versuch, gegen die eigene Hilflosigkeit zu rebellieren" [#02], "Gefühl der Kontrolle" bei begrenztem Budget [#03], "Es geht schnurstracks zurück in die anale Phase" [#04], um nur ein paar Beispiele zu nennen), ist das Phänomen Klopapier-Ausverkauf vermutlich schlicht und einfach auf einige banale Besonderheiten der Ware Klopapier zurückzuführen:

1. Jeder benötigt es, jeden Tag.

2. Eine einzige Standard-Packung (8...10 Rollen a 150...200 Blatt) reicht für eine Person mehrere Monate. Produktion und Liefermengen sind also darauf ausgerichtet, dass jeder Kunde im Schnitt alle paar Monate eine Packung kauft.

3. Klopapier hat bei geringem Geldwert ein vergleichsweise sehr großes Volumen. Demzufolge wird man die Lagerkapazitäten möglichst gering angesetzt haben.

Wenn nun innerhalb kurzer Zeit viele Käufe zum Anlegen eines Notvorrates getätigt werden, und bei den meisten dieser Käufe ganz nebenbei (braucht man immer, wird nicht schlecht, wieviel davon haben wir eigentlich noch?) ein Paket Klopapier mitgenommen wird (ganz ohne psychische Entgleisungen), dann ist schnell das dafür nicht ausgelegte Klopapier-Regal samt Lagerreserve leergeräumt. Und während beim Ausverkauf anderer Artikel meist nur kleine Lücken entstehen, die kaum auffallen, ist im Falle Klopapier (großes Volumen!) leicht eine ganze Regalwand leer, was natürlich die Medien auf den Plan ruft.

Diese berichten nun über eine (von ihren Vertretern mangels anderer Ideen als solche empfundene) Klopapier-Kaufwut, vermitteln, hinterlegt mit Bildern von leeren Regalen, einen starken Eindruck von akuter Knappheit, und veranlassen damit vermutlich viele Menschen, nun vorsichtshalber noch mehr vom knappen Gut einzukaufen.

An ein Beispiel einer damaligen TV-Berichterstattung (eines öffentlich-rechtlichen Senders) zum Thema kann ich mich noch gut erinnern: Vor einem Supermarkt wird im Vordergrund eine ältere Dame dazu interviewt, wozu sie gleich 3 (oder waren's 4?) Packungen Klopapier im Einkaufswagen hat. Währenddessen schieben im Hintergrund mehrere andere Kunden Einkaufswagen mit je maximal einer Packung durchs Bild. Einen dieser viel typischeren Kunden hat man sich leider nicht fürs Interview herausgepickt, dabei wäre das einer ausgewogenen Berichterstattung sehr viel näher gekommen.

Nein, die psychische Komponente an der Geschichte steckt nicht im Klopapier-Kauf, sondern darin, wie es sein kann, dass eine Riesenschar von Reportern, Redakteuren, wissenschaftlichen Beratern usw., immer wieder auch Comedians, anscheinend bis heute fast einhellig der irrsinnigen Theorie nachhängen, die leeren Klopapier-Regale ließen sich durch eine Art Massenpsychose, Kindheitstraumata, Angstkomplexe o.Ä. erklären. Nur Wenige sind bislang auf den Gedanken gekommen, es könnten schlicht und banal Logistikprobleme dahinterstecken, wie z.B. von Prof. Krupp dargestellt [#05].

Quellen:
[#01]: Schweiger, A.: Geht's noch?; Goslarsche Zeitung, 11.03.2020, S.4
[#02]: Hilflosigkeit treibt zu Hamsterkäufen; Goslarsche Zeitung, 01.04.2020, S.26
[#03]: https://www.fr.de/wissen/coronavirus-psychologen-erklaeren-hamstern-toilettenpapier-13602594.html
[#04]: https://www.tagesspiegel.de/kultur/coronavirus-hamsterkaeufe-warum-eigentlich-toilettenpapier/25613738.html
[#05]: https://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Experte-erklaert-Darum-war-Klopapier-ploetzlich-ueberall-ausverkauft-id57077881.html



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