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Grimm, H.:

Populärwissenschaftliche Literatur: eine Bewertung ausgewählter Bücher und Serien

http://www.wissenschaft-technik-ethik.de/populaerwissenschaftliche-literatur.shtml
zuletzt aktualisiert am 05.12.2016

Seiteninhalt:


Vorbemerkung

Populärwissenschaftliche Bücher sind zur Zeit eine beliebte Lektüre, auch unter denjenigen, die sich ansonsten mit Wissenschaft und Technik eher wenig abgeben möchten. Die Autoren solcher populärwissenschaftlichen Bücher und Artikel werden im Wesentlichen durch zwei Motive zum Schreiben veranlasst. Einerseits möchten sie ihren Zeitgenossen die spannende und faszinierende Welt der Wissenschaft nahebringen, andererseits können sie mit ihren Werken natürlich auch Geld verdienen. Vor Allem letzteres Motiv hat dazu geführt, dass immer mehr Autoren, die zwar von Physik und Chemie wenig verstehen, von ihren durchaus interessant geschriebenen Werken vermutlich recht gut leben können, unabhängig davon, ob sich deren Inhalt an der Realität orientiert oder im Wesentlichen aus frei erfundenem Unsinn besteht.

Im Folgenden werden exemplarisch einige Bücher, die naturwissenschaftliche Erkenntnisse und Theorien zum Inhalt haben, in Bezug auf die wissenschaftliche Seriosität ihres Inhalts bewertet.



/1/ Christa Pöppelmann: 1000 Irrtümer der allgemeinen Bildung, Compact Verlag, München 2005

Die Ausagen zu diesem Buch beschränken sich auf die Kapitel "Naturwissenschaften und Technik", "Gesundheit und Ernährung" sowie "Erde und Weltall".

Eine umfangreiche Sammlung kurzer und prägnanter Beiträge, bis auf wenige Ausnahmen ohne Fehl und Tadel. Die Aussage, Luft enthalte 23% Sauerstoff, macht auf den ersten Blick stutzig, bis man liest, dass dieser Wert in Gewichtsprozent, statt wie üblich in Mol- oder Volumenprozent, angegeben ist. Dass die Entfernung der Weltraumstation ISS weniger als 10% der Entfernung Erde-Mond beträgt, ist zwar nicht direkt verkehrt, erzeugt aber ein falsches Bild von den Verhältnissen: Tatsächlich beträgt das Entfernungsverhältnis etwa 1 : 1000. Falsch ist die Aussage, Meerwasser enthielte pro m^3 40 Milligramm Gold. Tatsächlich enthält das Wasser der Ozeane im Durchschnitt lediglich 11 Mikrogramm Gold pro m^3. Der Satz "Verschiedene Studien zeigen aber, dass starkes Abnehmen auch dann zu gesundheitlichen Risiken führt, wenn das Gewicht gehalten wird" ist unsinnig. Eigelb enthält keine Schwefelsäure, sondern organische Schwefelverbindungen. Und schließlich stützt die Autorin das verbreitete, aber falsche Gerücht, heißes Wasser würde rascher gefrieren als kaltes.

Fazit: Trotz der hin und wieder auftauchenden Falschinformationen (von denen ohnehin kaum ein Sachbuch frei sein dürfte) ist das Buch zur Lektüre nur wärmstens zu empfehlen.



/2/ Joe Schwarcz: Warum krümeln Kekse? - Neues vom Leben auf Molekülbasis, Rowohlt, Reinbek b. Hamburg 2003

Eine Sammlung von lehrreichen wie unterhaltsamen, zum Teil amüsanten Beiträgen aus allen möglichen Bereichen von Naturwissenschaft und Technik. Der Autor ist promovierter Chemiker, also "vom Fach", der Inhalt des Buches ist, soweit dies beurteilt werden konnte, wissenschaftlich fundiert.

Fazit: uneingeschränkt lesenswert.



/3/ Edouard Launet: Im Labor hinten links - die verrücktesten Experimente der Wissenschaft, Goldmann Verlag, München 2005

Eine kleine Sammlung von Kuriositäten aus der wissenschaftlichen Forschung, mit einer gehörigen Portion Ironie gewürzt. Geeignet vor Allem für Leser mit einer gewissen naturwissenschaftlichen Grundbildung und entsprechendem Interesse, aber keinesfalls nur für gestandene Wissenschaftler.

Fazit: Vermittelt nicht unbedingt nutzbares Wissen, kann aber umso mehr zur Erbauung beitragen. Lesenswert.



/4/ Felix R. Paturi: Die letzten Rätsel der Wissenschaft, Eichborn, Frankfurt/Main 2005

Umfangreiche, unterhaltsame Sammlung von Beiträgen aus vielen Bereichen der Wissenschaft und Forschung. Dieses Buch ist sehr differenziert zu betrachten, denn es enthält sowohl Kapitel, deren Inhalt wissenschaftlich fundiert ist als auch andere, deren Aussagen mehr oder weniger aus dem Bereich der Pseudowissenschaften stammen oder unrichtige Aussagen enthalten, wie z.B. die Beiträge über "rätselhaftes" Wasser, Kristallschädel, Homöopathie, Entstehung des Lebens, Evolution oder Zellgedächtnis. Einige der vom Autoren vorgebrachten Argumente lassen den Verdacht aufkommen, er habe grundlegende Gesetze der Physik und der Statistik nicht wirklich verstanden.

Fazit: Wer das Buch lesen will, sollte eine gesunde Skepsis mitbringen und über ein solides wissenschaftliches Urteilsvermögen verfügen. Auf jeden Fall ist es interessant zu lesen und regt zum Nachdenken an.



/5/ Mark Benecke: Lachende Wissenschaft, Bastei Lübbe, Bergisch-Gladbach 2005

Kleine Sammlung von skurrilen und kuriosen wissenschaftlichen Experimenten und ihrer Ergebnisse, die meist von keinerlei praktischem Nutzen sind. Geeignet vor Allem für Leser mit einer gewissen naturwissenschaftlichen Grundbildung und entsprechendem Interesse, aber keinesfalls nur für gestandene Wissenschaftler.

Fazit: Vermittelt nicht unbedingt nutzbares Wissen, kann aber umso mehr zur Erbauung beitragen. Lesenswert.



/6/ Deborah Tannen: Das habe ich nicht gesagt!, Goldmann Verlag, München 1994
/7/ Deborah Tannen: Du kannst mich einfach nicht verstehen, Goldmann Verlag, München 1993

Beide Bücher befassen sich mit der Frage, nach welchen Prinzipien menschliche Kommunikation funktioniert bzw. warum sie längst nicht immer zufriedenstellend funktioniert. Warum reden Männer und Frauen, aber auch Männer und Männer und Frauen und Frauen aneinander vorbei, wie entstehen und verlaufen Missverständnisse und fruchtlose Diskussionen und wie können sie vermieden werden? Die Autorin vermittelt anschauliche, verständliche und fundierte Antworten auf diese Fragen.

Fazit: Diese Bücher sollte einfach jeder lesen, verstehen und in die Praxis umsetzen.



/8/ Dietrich Dörner: Die Logik des Misslingens - Strategisches Denken in komplexen Situationen, Rowohlt, Reinbek b. Hamburg 1992

Fundierte Abhandlung der Probleme, die der Versuch mit sich bringt, komplexe technische oder wirtschaftliche Systeme gezielt zu beeinflussen, mit einer Reihe gut gewählter Beispiele.

Fazit: uneingeschränkt lesenswert.



/9/ Gero von Randow (Hg.): Mein paranormales Fahrrad, Rowohlt, Reinbek b. Hamburg 1993

Eine Reihe von Fallbeispielen zu angeblich übersinnlichen Phänomenen und ihre oft verblüffend einfache physikalische Erklärung. Sehr lehrreich vor Allem für jene, die sich ernsthaft, aber nicht leichtgläubig, mit Esoterik und Außersinnlichem befassen.

Fazit: uneingeschränkt lesenswert.



/10/ Gero von Randow: Das Ziegenproblem - Denken in Wahrscheinlichkeiten, Rowohlt, Reinbek b. Hamburg 1992

Unterhaltsame und fundierte Einführung in statistische Gesetze und Zusammenhänge, gewürzt mit allerlei auf den ersten Blick Verblüffendem.

Fazit: uneingeschränkt lesenswert.



/11/ Gerhard Prause, Thomas von Randow: Der Teufel in der Wissenschaft, Knaur, München 1989

Anhand spektakulärer Fallbeispiele für zum Teil folgenschwere Irrtümer der Wissenschaft, vom Hexenwahn über Freuds Propagierung des Kokains bis zum Orakel von Delphi, diskutiert der Autor die Ursachen für das Auftreten wissenschaftlicher Irrtümer, die Grenzen menschlicher Erkenntnisfähigkeit und die Grundlagen von sauberer wissenschaftlicher Arbeit. Ein Buch für naturwissenschaftlich interessierte, das insbesondere Wissenschaftler unbedingt gelesen haben sollten, denn keiner von uns ist ohne Fehl.

Fazit: uneingeschränkt lesenswert.



/12/ Peter & Hull: Das Peter-Prinzip, Rowohlt, Reinbek b. Hamburg 1970
/13/ Laurence J. Peter: Schlimmer geht's immer, Rowohlt, Reinbek b. Hamburg 1994

Der Autor selbst bezeichnet die Bücher als "Satire" und hat zudem einen dementsprechenden Stil gewählt, doch beim Lesen drängt sich immer wieder der Schluss auf, dass man es hier vielmehr mit einer exakten Beobachtung realer Verhältnisse zu tun hat, denn Peters Theorie ist bestechend und wird durch die Realität zumindest nicht ohne Weiteres widerlegt. Ein Lesevergnügen zudem, denn der Autor gibt zahlreiche Fallbeispiele zum Besten, bei denen man allerdings nicht immer sicher sein kann, ob sie auf wahren Begenheiten beruhen oder frei erfunden sind.

Fazit: ob nun wissenschaftlich fundiert oder nicht, jedenfalls lesenswert.



/14/ Wissenschaft in Illustrierten?

Das an sich erfreuliche Interesse in der Bevölkerung an populärwissenschaftlicher Unterhaltung hat dazu geführt, dass in immer mehr Zeitungen und Zeitschriften entsprechende Beiträge gedruckt werden, zum Teil als regelmäßige Rubrik. Weniger erfreulich ist, dass diese Beiträge in der Regel offensichtlich von Laien für Laien verfasst bzw. ungeprüft irgendwo abgeschrieben wurden und nicht selten wohl eher die Sensationslust als die wissenschaftlicher Neugier befriedigen sollen. Demzufolge sind diese Artikel eher durchwachsen - zum Teil kann man sie getrost unterschreiben, zum Teil enthalten sie aber auch geradezu hanebüchenen Unfug. Grobe Desinformation steckt dabei häufig auch in angeführten Zahlenwerten, die wohl beeindrucken sollen, sich jedoch vielfach als vollkommen absurd erweisen. Das Verhältnis von Unsinn zu Wahrheit ist so groß, dass der Leser keine schlechten Aussichten hat, nach dem Lesen dieser Artikel dümmer dazustehen statt schlauer.

Fazit: In der TV-Zeitschrift über das TV-Programm informieren, in der Modezeitschrift über die Mode und im Regenbogenblättchen darüber, wer wen wo geehelicht oder verlassen hat und warum. Die sogenannten "wissenschaftlichen" Beiträge, wenn überhaupt, mit Vorsicht genießen.

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